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    Ein Preis als Ermunterung, weiterzumachen

    Ein Plädoyer für mehr Europa hielt Peter Bofinger mit seiner Dankesrede in Wien. (Foto: Astrid Knie)


    Auszeichnung für Professor Peter Bofinger: Der Inhaber des Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen erhielt jetzt für sein Lebenswerk den Kurt-Rothschild-Preis für Wirtschaftspublizistik des Karl-Renner-Instituts in Österreich.


    Das Karl-Renner-Institut, die politische Akademie der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, und der SPÖ-Parlamentsklub haben in diesem Jahr erstmalig den Kurt-Rothschild-Preis für Wirtschaftspublizistik vergeben.

    Der Preis prämiert Beiträge von Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern, die „in exemplarischer Weise versuchen, neue Antworten auf die großen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit im Geiste Kurt Rothschilds – jenseits der volkswirtschaftlichen Standardtheorie oder des makro-ökonomischen Mainstreams – zu geben“, wie das Institut schreibt.

    Ein hervorragender Ökonom

    Peter Bofinger wurde von der Jury des Kurt-Rotschild-Preises für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Ewald Nowotny, ehemaliger österreichischer Politiker und Ökonom und seit 1. September 2008 Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, im Rahmen einer Festveranstaltung am Mittwoch, 16. November, im österreichischen Parlament in Wien.

    Nowotny sieht den Namenspatron des Kurt-Rothschild-Preises als den „wichtigsten österreichischen Ökonomen nach dem Zweiten Weltkrieg, als Verfechter einer faktenorientierten Ökonomie, der in seiner Zeit die österreichische Wirtschaftswissenschaft geprägt hat“. Ganz in diesem Sinn sei Peter Bofinger „ein würdiger Preisträger, ein hervorragender Ökonom, der die theoretische Analyse mit empirischer Fundierung“ verbinde, so Nowotny in seiner Laudatio.

    Ein öffentlicher Intellektueller

    Seinen bevorzugten Arbeitsplatz sehe Bofinger „nicht im wissenschaftlichen Elfenbeinturm, sondern als öffentlicher Intellektueller, als zentraler Akteur in der wissenschaftlichen Debattenlandschaft Deutschlands“. Dabei sei, wie Nowotny anmerkte, ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein angesichts der Kollegenschaft im deutschen Rat der Wirtschaftsweisen durchaus von Vorteil; wie „unabhängig und unbeugsam“ Bofinger in diesem Gremium seine oft genug abweichende Meinung gegen den deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream vertrete, verdiene große Anerkennung.

    Bofinger studierte von 1973 bis 1978 an der Universität des Saarlandes. Dort erlangte er auch die Promotion und die Habilitation. Von 1985 bis 1990 war er als Volkswirt bei der Deutschen Bundesbank tätig. Seit 1992 lehrt er als ordentlicher Professor an der Universität Würzburg. Seit März 2004 ist er Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geld- und Währungspolitik und die Europäische Integration.

    Kein Anlass für den Ruhestand

    In seiner Dankesrede versprach Bofinger, das mit dem Lebenswerk nicht zu eng zu sehen und „keinesfalls als Anlass für den Ruhestand, sondern als Ermunterung, weiterzumachen“. Denn gerade in der jetzigen Situation, die EU nach dem Brexit und die USA nach der Wahl von Donald Trump, sei es notwendiger denn je, über Europa nachzudenken. Er plädierte für mehr Europa und sprach sich dafür aus, den schädlichen Steuerwettbewerb zu beseitigen und mit einem kräftigen fiskalischen Impuls, also Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Forschung, das Wachstum anzukurbeln. Und: „Wer bei der Globalisierung verliert, muss kompensiert werden. Die Gewinner müssen etwas abgeben.“

    Der Kurt-Rothschild-Preis für Wirtschaftspublizistik

    Der Preis erinnere „an die großen Leistungen des österreichischen Ökonomen, der mit seinem Wirken Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Österreich nachhaltig geprägt hat“, so das Karl-Renner-Institut. Insbesondere seine Zeit im Exil – als Sozialist jüdischer Herkunft musste Rothschild nach dem Einmarsch Hitlers aus Österreich fliehen – habe dazu beigetragen, dass Kurt Rothschild immer einen sozialen Anspruch an die als Wissenschaft betriebene Ökonomie gestellt habe.

    Mehr Informationen zur Preisverleihung gibt es hier.

     

    Kontakt

    Prof. Dr. Peter Bofinger, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen, T: (0931) 31-82944, peter.bofinger@uni-wuerzburg.de

     

     

    22.11.2016, 13:00 Uhr


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