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    Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

    Kulturpreis für einen Wirtschaftsmathematiker

    12.11.2013

    Der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Fabian Kindermann hat für seine Doktorarbeit den Kulturpreis der Bayernwerk AG erhalten. In seiner Arbeit hat Kindermann untersucht, wie der Staat mit seiner Finanzpolitik das Bildungsverhalten der Bürger beeinflussen kann – und ob er dies tun sollte.

    Dr. Fabian Kindermann (Mitte) bei der Preisverleihung mit Laudator Ole Bischof (r.) und Staatssekretär Bernd Sibler (2.v.l.) aus dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. (Foto: Bayerwerk AG)

    „Humankapital, Einkommensunsicherheit und öffentliche Finanzpolitik“: So lautet der Titel von Fabian Kindermanns Doktorarbeit. Kindermann hat an der Universität Würzburg Wirtschaftsmathematik auf Diplom studiert, im August 2012 hat er seine Promotion erfolgreich abgeschlossen. Inzwischen ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft.

    Jetzt hat Kindermann den diesjährigen Kulturpreis Bayern für die Universität Würzburg der Bayernwerk AG erhalten. Der Konzern zeichnet damit regelmäßig herausragende wissenschaftliche und künstlerische Leistungen an den bayerischen Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Kunsthochschulen aus. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert.

    Fabian Kindermanns Doktorarbeit

    „In seiner Arbeit beschäftigt sich der 29-jährige mit der Frage, wie der Staat durch seine Finanzpolitik das Bildungsverhalten seiner Bürger beeinflussen kann und in welchem Maße eine solche Beeinflussung stattfinden sollte“, schreibt die Bayernwerk AG in ihrer Pressemitteilung. Unter anderem hat Kindermann untersucht, wie sich die Einführung von Studiengebühren auf die Bildungsbeteiligung verschiedener Bevölkerungsschichten auswirkt.

    „Ich habe in meiner Untersuchung das rein öffentliche Finanzierungsmodell durch ein System ersetzt, in dem Studierende die gesamten durch Bildung verursachten Kosten selbst tragen müssen“, erklärt Kindermann. Solch ein Modell wirke zwar auf den ersten Blick drastisch und übertrieben, dafür ließen sich mit ihm die Auswirkungen solch einer Reform deutlich besser identifizieren.

    Was Studiengebühren bewirken

    Erste Konsequenz: Ein deutlicher Rückgang der Studierendenzahlen. „Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich durch diese Art der Reform die Rendite eines Studiums dramatisch verringert“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Positiv bewertet er allerdings die Tatsache, dass in diesem Modell nicht mehr die Gemeinschaft die Kosten eines Studienabschlusses trägt, sondern tatsächlich nur diejenigen, die auch davon profitieren. „Damit wird ein Umverteilungsmechanismus von Haushalten mit niedrigem zu Haushalten mit hohen Einkommen abgeschafft, der vorliegt, wenn alle Bürger über ihre Steuern die Hochschulen finanzieren“, so Kindermann.

    Allerdings hat die Reform auch ihre Kehrseite: Mit der Einführung der Studiengebühren steigt der finanzielle Bedarf der Studierenden. Weil sie selten Kredite in der erforderlichen Höhe aufnehmen können oder wollen, müssen die Eltern einspringen. Dies wiederum benachteiligt Studieninteressierte aus sozial- und einkommensschwachen Familien. „Damit kehrt sich dann auch der Umverteilungsmechanismus von Reich zu Arm wieder um; Studenten aus einkommensschwachen Familien werden schlechter gestellt“, sagt Kindermannn.

    Konsequenzen für Unternehmen und Staat

    Neben diesen direkten Effekten eines Studiengebührenmodells hat Kindermann auch die indirekten Folgen untersucht, beispielsweise die Rückwirkungen auf Löhne und Zinsen sowie das Budget des Staates. „Auf der Seite der Unternehmen erweist sich in erster Linie die Wirkung der Reform auf die Löhne unterschiedlicher Bildungsschichten als interessant“, so Kindermann. Denn wenn die Zahl der Studierenden sinkt, werde hochqualifizierte Arbeit immer knapper. In der Folge würden Unternehmen langfristig die Löhne für Universitätsabsolventen erhöhen – auf Kosten von Arbeitnehmern mit geringerem Bildungsabschluss.

    Auch für den Staat zeigen Kindermanns Berechnungen eindeutige Ergebnisse: „Die Einführung von Studiengebühren ist mit einem Rückgang der Staatseinnahmen verbunden.“ Grund dafür ist die progressive Einkommensteuer, die dafür sorgt, dass Hochschulabgänger mit dem entsprechenden Gehalt überproportional viele Steuern zahlen. Geht die Zahl der Studierenden zurück, fallen auch diese hohen Steuereinnahmen aus und der Staat muss sein Budget auf anderen Wegen ausgleichen.

    Das Fazit

    Kindermanns Fazit in diesem Fall ist also klar: „Alles in allem geht die Einführung von Studiengebühren nicht nur mit einem positiven Umverteilungseffekt einher. Sie ruft auch viele wohlfahrtsvermindernde Effekte insbesondere für einkommensschwache Haushaltsgruppen hervor.“

    Für seine Doktorarbeit hat Fabian Kindermann ein Simulationsmodell entwickelt, das neben dem Bildungsverhalten auch andere wichtige Haushaltsentscheidungen wie zum Beispiel das Sparverhalten abbildet. Mit Hilfe dieses Modells hat er geklärt, in welchem Umfang schon bestehende staatliche Systeme das Bildungsverhalten der Bevölkerung beeinflussen. Anschließend untersuchte er, durch welche Maßnahmen der Staat die Bildungsbeteiligung der Bürger optimal fördern kann und wie dies auch unter Beachtung anderer politischer Zielvorstellungen, wie etwa der gerechten Verteilung von Ressourcen und der Versicherung diverser Risiken, gelingt.

    Der Kulturpreis Bayern

    Mit dem Kulturpreis Bayern will der Netzbetreiber Bayernwerk einen „Impuls zum Erhalt der kulturellen Vielfalt“ leisten und zugleich eine Bühne für Kunst und Wissenschaft in der Region bieten. Die Auszeichnung geht an die besten Absolventen der Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Kunsthochschulen sowie an fünf bayerische Künstler. Hinzu kommt der Sonderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.

    Das Bayernwerk

    Die E.ON Bayern AG heißt seit 1. Juli 2013 Bayernwerk AG. Hintergrund der Namensänderung sind Anforderungen des Gesetzgebers und der Bundesnetzagentur, Netzbetrieb und Energievertrieb unverwechselbar zu trennen. Das Bayernwerk ist für die Energienetze in weiten Teilen Bayerns verantwortlich.

    Fabian Kindermann: „Humankapital, Einkommensunsicherheit und öffentliche Finanzpolitik“, Verlag Mohr Siebeck, 160 Seiten, 59,00 Euro

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