Intern
    Professur für Wirtschaftsjournalismus

    Vertrauen in die Medien so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr

    03.04.2017

    Das Vertrauen der Deutschen in die Medien ist im Jahr 2016 stark angestiegen. Dies zeigen Umfragedaten im Eurobarometer der Europäischen Kommission vom November 2016. Professor Dr. Kim Otto und Andreas Köhler von der Universität Würzburg haben die Daten ausgewertet. „Noch nie seit über 15 Jahren war das Vertrauen in die Presse so hoch wie heute“, erklärt Otto. Den deutschen Medien sei es gelungen, das in sie gesetzte Vertrauen zu stärken und weiter auszubauen.

     

    Im Jahr 2016 vertrauten 55,7 Prozent der Deutschen der Presse, nur 38,8 Prozent misstrauen ihr. Dies geht aus den jüngsten Daten der jährlich stattfindenden repräsentativen Umfrage der Europäischen Kommission für das Eurobarometer hervor. Damit erreicht die deutsche Presse ihren bislang höchsten Wert, seit das Eurobarometer seit dem Jahr 2000 danach fragt. Gegenüber dem Vorjahr konnte die Presse das in sie gesetzte Vertrauen um zehn Prozent steigern. Auch dem Fernsehen vertrauen die Menschen in Deutschland wieder stärker. 60,5 Prozent der Deutschen geben an, dem Fernsehen zu vertrauen. Das ist eine Steigerung um fast sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Das höchste Medienvertrauen in Deutschland genießt auch im Jahr 2016 das Radio. 67,8 Prozent der Menschen in Deutschland vertrauen dem Radio. Gegenüber dem Vorjahr steigerte sich das Vertrauen um mehr als sieben Prozentpunkte.

    Das Medienvertrauen wuchs im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr in fast allen Altersgruppen an. Auch in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen konnte die Presse einen Vertrauenszuwachs verzeichnen: um zehn Prozent auf 50 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen. In dieser Gruppe war das Medienvertrauen im Vorjahr stark zurückgegangen. Am stärksten wuchs das Medienvertrauen bei den älteren Menschen über 75 Jahre. Hier steigerte sich das Vertrauen in die Presse um 20 Prozentpunkte auf 66 Prozent. 

    Überraschend ist, dass das Medienvertrauen besonders bei Menschen an den Rändern des politischen Spektrums in Deutschland zugenommen hat. Besonders stark war der Zuwachs im rechten Spektrum: 51 Prozent der Menschen, die sich selbst auf der rechten Seite des politischen Spektrums eingeordnet haben, vertrauen der Presse. Das sind 18 Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr. Auch Fernsehen und Radio konnten im rechten Teil des politischen Spektrums in hohem Maße Vertrauen zurückgewinnen. Das Vertrauen ins Fernsehen wuchs um zwölf Prozent auf 56 Prozent, ins Radio um 13 Prozent auf 62 Prozent bei Menschen im rechten Spektrum.

    Offenbar gelang es den Medien zuletzt immer besser, dem von rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen vertretenen Eindruck entgegen zu treten, ihre Berichterstattung sei politisch gefärbt und von oben gesteuert. „Der öffentliche Diskurs über die Arbeit und Bedeutung der Medien hat deren Relevanz und das in sie gesetzte Vertrauen gesteigert“, erläutert Otto. Seit im Jahr 2014 das Wort „Lügenpresse“ zahlreiche Schlagzeilen machte und sogar zum Unwort des Jahres 2014 erklärt wurde, gab es in Deutschland teilweise heftige Diskussionen über ein möglicherweise gestörtes Verhältnis der Bürger zu den Massenmedien. Vor allem auf den Demonstrationen der Pegida- und AfD-Anhänger wurde der Begriff oft in Sprechchören skandiert und schallte von dort aus über die Fernsehbildschirme in die ganze Republik. Deren Präsenz hat zuletzt abgenommen, ihre medienkritischen Positionen werden daher weniger stark wahrgenommen. „Die Diskussionen über Fake-News und die Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei haben sicherlich auch einen Anteil daran, dass die Menschen in Deutschland Presse und Rundfunk stärker wertschätzen“, so Otto.

    Professor Dr. Kim Otto und Andreas Köhler analysieren regelmäßig das Medienvertrauen in Deutschland und Europa anhand von Sekundärdaten des Eurobarometers. Es handelt sich hierbei um eine Bevölkerungsbefragung, die von Umfrageinstituten in den Mitgliedsländern der EU im Auftrag der Europäischen Kommission halbjährlich erhoben wird. Mehr als 1500 Bürger im Alter ab 15 Jahren wurden hierfür in Deutschland von TNS Infratest mittels computergestützten persönlich-mündlichen Interviews befragt.

    Zurück

    Kontakt

    Professur für Wirtschaftsjournalismus am Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen
    Sanderring 2
    97070 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-83775
    Fax: +49 931 31-837750
    E-Mail

    Suche Ansprechpartner

    Sanderring 2