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Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Einem Rätsel auf der Spur – der deutsche Leistungsbilanzsaldo

05.11.2021

Der deutsche Leistungsbilanzsaldo ist gemessen an den Standards der „Macroeconomic Imbalance Procedure“ der Europäischen Union seit Ende 2006 fast durchgängig auf einem kritisch hohen Niveau von über 6% des BIP.

Prof. Dr. Eric Mayer (Bild: Uni Würzburg)

Deshalb ist dieser sowohl innerhalb der EU als auch in der transatlantischen Diskussion ein Dauerthema. Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse zeichnen sich durch zwei Seiten einer Medaille aus. Auf der einen Seite die Exportüberschüsse und auf der anderen Seite die Kapitalexporte. Bisher wurde bei der Analyse der Kapitalexporte das geänderte Spar- und Investitionsverhalten des nichtfinanziellen Firmensektors weitestgehend ausgeblendet. Zu Unrecht, da sich der nichtfinanzielle Firmensektor in den vergangenen 15 Jahren vom Nettoschuldner zum Nettosparer entwickelte und somit proaktiv einen latenten Kapitalüberschuss in Deutschland begünstigt. Was sind die Ursachen?

Das Forschungsteam rund um die Arbeitsgruppe „Empirische Wirtschaftsforschung“ von Prof. Dr. Eric Mayer und des Münchener ifo Zentrums für Konjunkturforschung und Befragungen haben im Rahmen eines von der Deutschen Bundesbank Hauptverwaltung Bayern finanzierten Projektes gezeigt, dass die Firmen zunehmend Gewinne thesaurieren, um Finanzfriktionen zu lindern, um nicht auf unattraktivere, externe Finanzierung angewiesen zu sein. Ergebnisse dieser Forschung sind in der ECB Working Papers Reihe (No. 2586) publiziert und erscheinen im „International Journal of Money and Finance“.

Aber wie so häufig, wirft Forschung mehr Fragen auf, als sie beantwortet! Deshalb wird aktuell in einem Folgeprojekt in Kooperation mit dem Lehrstuhl von Frau Prof. Dr. Daniela Lorenz, Inhaberin des Lehrstuhls für BWL und Unternehmensfinanzierung, eine Analyse von Unternehmensdaten vorgenommen, die die firmenspezifischen Treiber offenlegen sollen. Insbesondere bei High-Tech Firmen mit hohem Forschungs- und Entwicklungsaufwand liegt die Vermutung nahe, dass Banken keine aus Firmensicht attraktive Finanzierung anbieten, da klassische materielle Kreditsicherheiten nur unzureichend vorhanden sind und immaterielles Kapital kaum als Kollateral akzeptiert wird. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Arbeiten werden die Basis für Anträge zu Drittmittelprojekten bilden.

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