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Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Im Gespräch: Heute mit Prof. Dr. Andrea Szczesny

02.12.2022

In loser Folge stellen wir im Newsletter Professorinnen und Professoren der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät im Rahmen eines Interviews näher vor.

Prof. Dr. Andrea Szczesny
Professorin Dr. Andrea Szczesny (Bild: Universität Würzburg)

In loser Folge stellen wir im Newsletter Professorinnen und Professoren der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät im Rahmen eines Interviews näher vor. In dieser Ausgabe legen wir den Fokus auf Frau Prof. Dr. Andrea Szczesny, Inhaberin des Lehrstuhls für BWL, insbesondere Controlling und Interne Unternehmensrechnung. Für ihre Bereitschaft zur Teilnahme am Interview danken wir herzlich.

Prof. Dr. Andrea Szczesny hat nach dem Abitur und einer Banklehre Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim studiert und war im Anschluss bis 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Am Institut für Controlling und Auditing der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat Frau Szczesny dann promoviert und habilitiert. Seit 2009 ist sie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg Inhaberin des Lehrstuhls für Controlling und Interne Unternehmensrechnung. Gastprofessuren führten sie nach Ljubljana/Slowenien und Melbourne/Australien.

Professorin Dr. Andrea Szczesny

WiWi Fakultät: Skizzieren Sie bitte kurz Ihre aktuellen Themen in Forschung und Lehre.

Andrea Szczesny: Im Controlling geht es um Aufgaben der operativen und strategischen Planung, Kontrolle und Steuerung in Unternehmen. Insbesondere in großen dezentral strukturierten Organisationen stellen diese Aufgaben eine Herausforderung dar. Damit beschäftige ich mich in der Lehre. Einen Schwerpunkt lege ich dabei auf rechnungswesenbasierte Instrumente, die helfen, gute Entscheidungen zu treffen und das Verhalten der Entscheidungsträger zu steuern und zu koordinieren. Beispiele für solche Instrumente sind Kennzahlensysteme, Verrechnungspreise oder das Reporting.

Hieran knüpft auch meine Forschung an. Ich untersuche zum Beispiel Anreizwirkungen von Richtlinien, Standards und anderen Governance-Strukturen für die Entscheidungsfindung in Organisationen. Besonders interessant finde ich solche Themen im Gesundheitswesen. So interessiere ich mich beispielsweise für die Konzeption, Implementierung und Wirkung von Steuerungssystemen in Krankenhäusern. In Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Tübingen und der Universität Hohenheim haben wir etwa untersucht, ob ein spezielles Reporting dafür sorgen kann, dass nach Abschluss einer Behandlung im Krankenhaus der sogenannte Arztbrief an den nachbehandelnden Fach- oder Hausarzt möglichst zeitnah fertiggestellt wird – nicht gerade eine der Lieblingsbeschäftigungen des medizinischen Personals. In jüngerer Zeit arbeiten wir gemeinsam mit dem Institut für Epidemiologie und Biometrie an unserer Universität und weiteren Partnern an interessanten Fragen der Versorgungsforschung im Gesundheitswesen. Wir am Lehrstuhl haben dabei die Aufgabe, neue Versorgungsstrukturen gesundheitsökonomisch zu evaluieren. In einem dieser Projekte evaluieren wir beispielsweise ein neues Betreuungskonzept für chronisch an Herzinsuffizienz Erkrankte. Dabei kommen speziell geschulte Fachkräfte, eine eHealth-Fallakte und telemedizinische Technik zum Einsatz.

WiWi Fakultät: Für welche Wirtschaftsbereiche und für welche Berufsbilder ist Ihre Forschung und Lehre relevant?

Andrea Szczesny: Die Belegung des Controlling-Schwerpunkts im Studium führt nicht selten zu einer Anstellung in einer Controlling-Abteilung in einem Unternehmen. Typische Controlling-Fragestellungen fallen aber in allen Bereichen an, Controlling hat in Unternehmen ja eine Querschnittsfunktion. Das gesamte Unternehmensgeschehen bildet sich letztlich im Rechnungswesen ab. Diese Welt der Zahlen zu verstehen und das Wissen, wie mit diesen Informationen gezielt geplant, kontrolliert und gesteuert werden kann, eröffnet ein weites Einsatzgebiet und ist wertvolles Rüstzeug für das Management in allen Bereichen von Profit- oder auch Non-Profit-Organisationen.

WiWi Fakultät: Sie waren in der Zeit von 2012 bis 2021 Vizepräsidentin der Julius-Maximilians-Universität. Wie bewerten Sie diese Zeit und wie hat sich Ihr Berufsleben seither verändert?

Andrea Szczesny: Als mich 2012 der damalige Präsident Professor Alfred Forchel gefragt hat, ob ich das Amt der Vizepräsidentin übernehmen möchte, war ich schon sehr überrascht. So lange war ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht in Würzburg und eigentlich noch mitten im Aufbau meines Forschungs- und Lehrbereichs. Aber es reizte mich natürlich, selbst in der Leitung einer großen Organisation, wie es die Julius-Maximilians-Universität mit 10 Fakultäten, rund 4.500 Beschäftigten und über 26.000 Studierenden ist, mitzusteuern, anstatt diese Themen nur zu unterrichten.

In meinem Ressort Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung durfte ich dann auch spannende Projekte begleiten und verantworten. Herausheben möchte ich die Einrichtung und erfolgreiche Akkreditierung unseres Qualitätssicherungssystems im Bereich Studium und Lehre, aber auch die Einführung des integrierten Campusmanagementsystems WueStudy sowie den Aufbau der „Gesunden Hochschule“. Von Projekt- und Change-Management, erfolgreich und weniger erfolgreich, kann ich jetzt viel erzählen. Am Ende meiner Amtszeit kamen als Mitglied der Corona-Task-Force auch noch Erfahrungen im Krisenmanagement hinzu.

Während der Zeit der Vizepräsidentschaft musste der Lehrstuhl allerdings oft hintenanstehen. Daher genieße ich es jetzt sehr, dass Forschung und Lehre wieder im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen. Bei der Initiierung von Forschungsprojekten und deren Leitung helfen mir sicher auch die wertvollen Erfahrungen aus meiner langjährigen Amtszeit als Vizepräsidentin.

WiWi Fakultät: Sie sind Mitglied der Gesellschafterversammlung des Klinikums Würzburg Mitte gGmbH. Wo sind die Verbindungen zwischen Ihrem Engagement für das Klinikum und Ihrem Lehrstuhl?

Andrea Szczesny: Ich vertrete in der Gesellschafterversammlung zusammen mit Herrn Professor August Stich ehrenamtlich die Interessen des Gesellschafters medmissio – Institut für Gesundheit Weltweit. Das medmissio engagiert sich für mehr Gesundheit in Ländern des Südens wie Afrika südlich der Sahara, Indien und Südamerika. Zu den gesundheitlichen Herausforderungen dort gehören eine hohe Mütter- und Kindersterblichkeit ebenso wie der Mangel an Ärzten, Krankenschwestern, Krankenhäusern und Gesundheitsstationen. Die Gesundheitssysteme sind nicht gut aufgestellt und brauchen Unterstützung. In Deutschland bildet medmissio medizinisches Fachpersonal für den Einsatz in tropischen Ländern aus und ist mit seinen Mitarbeitern oft vor Ort, um das einheimische Gesundheitspersonal zu schulen. Mich beeindruckt dieses Engagement sehr. Aus dem Blickwinkel dieses Gesellschafters den Erfolg eines großen Krankenhauses begleiten zu dürfen, liefert nochmal ganz andere Einblicke in gesundheitsökonomische und soziale Fragestellungen. Die Nähe zu meiner Forschung liegt dabei ja auf der Hand.

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