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Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

Lücke im ISO-Katalog geschlossen

26.11.2019

Das Ergebnis seiner Masterarbeit dürfte für viele Firmen interessant sein: Toni Greif beschreibt darin eine Methode, wie man in der Qualitätsprüfung die Größe von Stichproben verringern kann. Dafür bekam er einen Preis.

Toni Greif (M.) bei der Preisverleihung in Berlin mit dem DIN-Vorstandsvorsitzenden Christoph Winterhalter und Moderatorin Susanne Schöne.
Toni Greif (M.) bei der Preisverleihung in Berlin mit dem DIN-Vorstandsvorsitzenden Christoph Winterhalter und Moderatorin Susanne Schöne. (Bild: Thomas Lohnes / Getty Images for DIN)

Das ist schon super: Wenn man in seiner Masterarbeit ein Problem anpackt, das für die Alltagspraxis in Unternehmen relevant ist. Wenn man eine saubere Lösung für das Problem entwickelt. Wenn absehbar ist, dass die Lösung tatsächlich auch in Firmen angewendet wird. Und wenn man für seine Arbeit dann auch noch ausgezeichnet wird.

Genauso ist es bei Toni Greif gelaufen. Der Absolvent der Wirtschaftsmathematik an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg hat in seiner Masterarbeit eine Methode entwickelt, mit der sich in der Qualitätsprüfung die Größe von Stichproben verringern lässt. Unternehmen können dadurch Zeit und Kosten sparen.

Für diese Leistung hat Toni Greif den mit 5.000 Euro dotierten Nachwuchspreis des Deutschen Instituts für Normung (DIN) bekommen. Verliehen wurde ihm die Auszeichnung am 7. November 2019 bei einer Feier im ewerk in Berlin. Zusammen mit Greif wurden den rund 300 Gästen vier weitere Preisträger präsentiert.

Statistischer Standard im ISO-Katalog fehlt

Worum es in seiner Arbeit geht, erklärt der Preisträger an einem Beispiel: Ein Pharmaunternehmen möchte in den USA aktiv werden. Anders als auf dem deutschen Markt sind dort Tabletten nicht in Blister verpackt, sondern in Polyethylen-Flaschen.

Weil das Unternehmen diese Flaschen nicht selbst produziert, sucht es einen Zulieferer. Um dessen Qualität zu überprüfen, lässt es sich eine Charge von 10.000 Flaschen schicken – ein „isoliertes Los“, wie es im Qualitätsmanagement heißt.

„Um bei der Prüfung ein statistisch belastbares Ergebnis zu bekommen, das dem Katalog der Internationalen Organisation für Normung ISO entspricht, muss das Pharmaunternehmen bisher 500 Flaschen auf Konformität testen“, erklärt Greif. Untersucht werden in einem solchen Fall zum Beispiel Gewicht, Größe, Volumen und Druckresistenz der Flaschen oder die Auf- und Zudrehkräfte an den Schraubdeckeln.

Dieser Aufwand kann dank Greifs Masterarbeit künftig deutlich geringer ausfallen: Der neue Standard schlägt einen Stichprobenumfang von nur 106 Flaschen vor. Das gelingt durch die Nutzung der messenden Prüfung, das heißt durch die Auswertung der Abweichungen von den Spezifikationsgrenzen.

„Vor allem bei einer die Flaschen zerstörenden Druckresistenz-Prüfung ermöglicht der Standardentwurf immense Kosteneinsparungen“, sagt der Würzburger Mathematiker. Die statistischen Eigenschaften des neuen Standards seien zudem identisch mit bisherigen, so dass jederzeit zwischen den etablierten Verfahren und der messenden Prüfung hin und her gewechselt werden könne.

Im ISO-Katalog ist also eine Lücke geschlossen. Der von Greif erarbeitete Standard ISO 3951-6 liegt derzeit als Entwurf bei der ISO vor. Nun stehen zwei Abstimmungsprozeduren an. Fallen sie positiv aus, wird die neue Norm international zur Anwendung kommen. Sie ist für verschiedene Branchen interessant, unter anderem für Lebensmittelprüfung, Pharmazeutik oder Medizingerätehersteller.

Kooperation mit Boehringer Ingelheim

Bei seiner Arbeit wurde Toni Greif von Statistikprofessor Rainer Göb vom Institut für Mathematik der JMU betreut. Außerdem hat er mit dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim zusammengearbeitet: Dort war er vier Monate lang in der Nicht-Klinischen Statistik tätig.

Doktorand im Operations Management

Aktuell ist der Toni Greif Doktorand bei Professor Christoph Flath (Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement) an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der JMU. Hier arbeitet er seit Herbst 2018 – wieder an anwendungsorientierten Verfahren für das Operation Management: Es geht darum, logistische Prozesse in Unternehmen mit Hilfe datengestützter Methoden weiter zu verbessern.

Von Robert Emmerich

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